März 7, 2016

TEDx St. Georg: Innovation aus der Klinik

Leicht soll sie sein. Nicht die Yoghurette, sondern der Kuss der Muse, die Inspiration, die Innovation, die gute Tat – das war für mich die Quintessenz meines ersten TEDx-Events, das am 27. Februar unter dem Titel „Transplant Inspiration“ bezeichnenderweise auf dem Gelände der Asklepios-Klinik in St. Georg stattfand. In meinem alten Kiez (jaja, einst wohnte ich über ‚1000 Töpfe‘ in einer WG mit einem Schill-Wähler, aber lassen wir die grässlichen Geschichten aus der Vergangenheit) traf sich ein freundliches Völkchen, das positiv gestimmt antrat und strahlend vor Inspiration ging – so mein Eindruck. In der konferenzgespickten Endfebruarwoche (hallo, es war ein Tag mehr als sonst, kein Extra-Monat? Social Media Week, Online Marketing Rockstars…) war diese meine liebste. Es scheint, ich bin die Frau der überschaubaren Eventgröße. Aber ein paar Worte zu meinen Highlights dieses TED-Ablegers:

Inspiration: Nach der Flucht = Mitten im Leben

Direkt zu Beginn redeten Kareem Kousa, Yusuf Zein und Bero Andrun über ihre Flucht aus Syrien und ihr jetziges Leben in Hamburg. Mich beeindruckt immer wieder die Energie dieser jungen Menschen, die – so mein Eindruck – versuchen, die verlorene Lebenszeit aus Kriegszustand, Flucht und zähem Anfang in Deutschland wettzumachen. Ähnlich wie schon Mohammed wenige Tage zuvor in seiner Session auf der Social Media Week mit der wunderbaren Kati darüber berichtete, wie sich Flüchtende auf Facebook organisieren und unterstützen (inklusive Tipps für verlässliche Schlepper, Wetterwarnungen und Notrufnummern der Küstenwache) wurde auch hier deutlich, wie sehr die Diskussionen der Politiker an der Realität dieser Menschen vorbeigehen – sie werden weiterhin kommen, die Frage ist nur, in welcher Zeit und welcher Verfassung und wie sehr wir sie ihr Potential entfalten lassen. So berichtete Bero in fließendem Deutsch von seinen Plänen, ein berühmter Journalist zu werden (notfalls reiche ihm auch die Bekanntheit von Moderator Michel Abdollahi) und Yusuf antwortete auf die Fragen, ob er jemals seine Flucht bereut hätte, sinngemäß: „Bedauern kenne ich nicht. Ich bin jetzt in Deutschland und werde meinen Weg gehen.“ Völlig zu Recht war dieses Trio der emotionale Höhepunkt des Tages.IMG_2957

Innovation: Heute mal’n Typ!

Mein zweites Highlight war Diane Torr, die Wortschöpferin des „Drag King“. Sie vermittelt seit über 20 Jahren Frauen in „Man for a day“-Workshops, wie Frau sich in eine Männerrolle einlebt und berichtet von den erlebten Konsequenzen: Frauen, die in männlicher Gestalt einen fairen Verkaufspreis für ihr altes Auto erhalten, die plötzlich mehr Raum um ihren Körper in der Öffentlichkeit erleben, die eine Konversation am Laufen halten, indem sie Frauen zuhören und gelegentlich brummen. Ein Experiment für meine Bucketlist.

Erleuchtung: Ein Weltbestseller, lesbar gestaltet

Oliver Wurm beeindruckte mich mit einem nicht mehr druckfrischen, aber dennoch inspirierenden Projekt: Die Bibel – genauer gesagt das Neue Testament – gestaltet als Magazin, „so dick wie die Herbst-Ausgabe der Vogue“. Denn was nützt das beste Storytelling, wenn die User nicht erreicht werden? Ich werde auf jeden Fall versuchen, noch ein Exemplar in die Finger zu kriegen, um einen alten Ehrgeiz zu befriedigen: Als Studentin der englischen Literaturwissenschaft war ich wild entschlossen, die komplette Bibel zu lesen („sonst verstehen Sie nix bei Shakespeare“, so die Drohung des Herrn Geissen) – scheiterte aber ebenso wie Wurm an Haptik und Layout des Literaturklassikers. Das Alte Testament steht übrigens auch noch an – eventuell gibt es dann bald den Sammelschuber „Neues und Altes Testament“…

Zwei großartige gemeinnützige Projekte, Viva con Agua und Junge Helden, stießen ins selbe Horn: Der gute Zweck und ernste Themen (eine Welt ohne Durst, Organspende) schließen nicht Spaß und Begeisterung aus – ganz im Gegenteil; sowohl das riesige Freiwilligennetzwerk, das Viva con Agua auf die Beine gestellt hat, als auch Promifilme zur Organspende, belegen, wieviel Begeisterung und Engagement sich über Kunst, Sport und sogar Parties wecken lassen. Ganz ohne Tränendrüsendrücken und Beipackzettel.

Dem Team dieses Events gebührt Dank und Respekt: Was ihr hier auf die Beine gestellt habt, von den Speakern über Sponsoren, Catering und Rahmenprogramm, war ganz große Klasse!

 

 

 

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