14/09/15 Linktipps , Social Media

#bloggerfuerfluechtlinge: Mit Gefühl, Mit Denken, Mit Machen

Die Flüchtlingskrise stellt die Welt aktuell vor eine humanitäre Herausforderung, wie ich sie mir noch vor einigen Monaten nicht hätte vorstellen können . Und irgendwie habe ich das Gefühl, dass sich nicht nur für diejenigen, die gerade auf der Suche nach Sicherheit und Perspektiven zu uns fliehen, sondern auch für mich selbst und mein direktes Umfeld JETZT entscheidet, in was für einer Gesellschaft wir alt und grau werden.

Habe ich schon einmal erwähnt, wie froh ich bin, in Hamburg zu leben? Mit Lokalpatriotismus (der kleinen Cousine des Nationalismus imho) habe ich wenig am Hut, aber zu sehen, wie hier auf eine Weltoffenheit gebaut wird, was für ein Gemeinsinn entsteht, wie klar sich mein ganzes Umfeld gegen jede Form von Rassismus positioniert und vor allem mit anpackt, bewegt mich sehr und gibt vor mir selbst die Zuversicht, dass eine Spaltung dieser Gesellschaft nicht bevorsteht. Die Aktion #bloggerfuerfluechtlinge (Blogger für Flüchtlinge) unterstütze ich gern; Adressen wie die Kleiderkammer in den Messehallen und andere lokale Unterstützungsmöglichkeiten in Hamburg sind hier bekannt und organisieren sich insbesondere über Facebook tagesaktuell. Meine absolute Hochachtung gilt denjenigen, die momentan ihr Arbeits- und Privatleben um ihren ehrenamtlichen Einsatz herum organisieren – das mus ich umso deutlicher sagen, als ich selbst viel zu wenig mache momentan.

Aber neben diesem Kokon der Menschlichkeit, in dem ich mich problemlos fast ausschließlich bewegen könnte, gibt es echte Paralleluniversen, die mir wirklich Angst machen. Insbesondere auf Facebook kann man seine geistige Gesundheit riskieren, wenn man sich durch die Seiten der „Asylkritiker-nicht-Nazis“ arbeitet – Nährschleim für Verschwörungstheoretiker, kleine und große Nazis, in ihrer großen deutschen Kultur (Biertrinken, Grölen, Fahnenschwenken und Schweinefleischessen – jo, unbedingt schützenswert, was diese Spezis als kulturelle Eckpfeiler ansehen…) bedrohte Kleingeister. Ich habe aufgegeben, diese Drecksställe Facebook zu melden (ca. 40-50 eindeutig rassistische, gewaltverherrlichender und zu Gewalt motivierender und hetzender Seiten gemeldet – nicht eine wurde von Facebook als solche anerkannt); Strafanzeigen scheinen das einzig realistische Mittel zu sein.

So jämmerlich und verachtenswürdig ich die ganzen Superegoismen in ihrem „Und-wer-kümmert-sich-um-mich“-Kokon finde (eindeutiges Erkennungszeichen: Obdachlose gegen Flüchtlinge ausspielen, sich aber offensichtlich noch NIE um irgendeinen Schwachen außer sich selbst gekümmert haben) – für eine große Gruppe fehlt mir jedes Verständnis: Die vielen noch lebenden Deutschen mit eigener Fluchtgeschichte und Menschen, die selbst mit Erzählungen über Flucht und Not aufgewachsen sind und trotzdem meinen, jetzt ihre Pfründe gegenüber fliehenden Menschen verteidigen zu müssen. Ich mag rational wissen, dass selbst eigene Erfahrung nicht zwangsläufig zu Empathie führt. Nachvollziehen kann ich solch emotionale Beschränktheit jedoch nicht.

Deswegen habe ich mich sehr gefreut über den Beitrag von Carline Mohr auf ihrem Mohrenpost-Blog: Ihr Papa, ein älterer Herr mit sehr klarem Verstand, heißt Flüchtlinge Willkommen und erklärt, warum dies einfach richtig ist. Ein innerer Kompass, den ich gern hunderttausendfach vervielfältigt an verwirrte Seelen in allen Ecken dieser Republik senden würde.

Jede und jeder kann etwas tun: Spenden, helfen, klare Kante zeigen. Aber vor allem: Sich überlegen, in was für einem Gemeinwesen wir leben wollen. Denn Solidarität und Empathie gibt es nicht wahlweise für „die“ oder „uns“, sondern nur für alle.

 

 

 

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28/05/15 Allgemein , Linktipps , Studie , Unternehmenskommunikation/Corporate Communications # , , , ,

Abschied vom Mittelmaß: Studie zu Kommunikation im Mittelstand

Abschied vom Mittelmaß: Studie zu Kommunikation im Mittelstand

Ganz frisch und absolut lesenswert ist die Studie zur Mittelstandskommunikation von Fink & Fuchs PR, dem Zerfaß-Institut an der Uni Leipzig und dem Magazin Presseprecher. Sie schließt insofern eine wirkliche Lücke in der Forschung, da gerade der Mittelstand – zu dem 99,6 Prozent der deutschen Wirtschaft und 60 Prozent aller Arbeitsplätze im Land gehören – üblicherweise in den Studien zur Kommunikation höchstens eine Nebenrolle spielt. In der aktuellen Studie werden teilweise die Aussagen von Mittelständlern und Großunternehmen gegenüber gestellt. Bemerkenswert: Fast die Hälfte aller Teilnehmer der Studie wurden von den Autoren anhand ihrer qualitativen und quantitativen Marker als Großunternehmen definiert, sehen sich aber selbst als Mittelständler an – meiner Einschätzung nach ist dies weniger eine Frage der statistischen Erbsenzählerei, sondern vielmehr eine Ausprägung der Unternehmenskultur, die häufig nicht mit der wirtschaftlichen Expansion mitgeht (was durchaus Vorteile haben kann, aber dazu später). Ein weiterer „Kunstgriff“ der Autoren, den ich für sehr smart halte: Sie haben Fachtermini wie „PR“ und „Marketing“ vermieden und allgemein nach „Kommunikationsarbeit“ gefragt. Angesichts der Tatsache, dass gerade bei den kleineren Mittelständlern überwiegend die Geschäftsführung die Kommunikation „nebenbei“ miterledigt und auch sonst klare Zuständigkeiten und Abgrenzungen eher rar sind, entsteht so sicher ein vollständigeres Bild.

Rückgrat der deutschen Wirtschaft: 99,6 Prozent aller Unternehmen der Privatwirtschaft gehören zum Mittelstand. Er stellt auch 60 Prozent aller Arbeitsplätze. (Bild: jarts/photocase)

Rückgrat der deutschen Wirtschaft: 99,6 Prozent aller Unternehmen der Privatwirtschaft gehören zum Mittelstand. Er stellt auch 60 Prozent aller Arbeitsplätze. (Bild: jarts/photocase)

Meine persönlichen „A-Has“, „War-Klars“ und „Fragezeichen“:

  • Am wenigsten überrascht mich, dass die Diskrepanz zwischen der theoretisch zugeschriebenen Bedeutung professioneller Kommunikation und ihrer tatsächlichen Rolle nach wie vor enorm ist. Dies deckt sich sowohl mit früheren Studien als auch mit meiner erlebten Wirklichkeit der letzten Jahre. Ein Viertel aller Befragten gab an, dass ihre Chefs den Sinn von Unternehmenskommunikation nicht kennen. Budgets und personelle Ressourcen verfestigen diese erzwungene „Zahnlosigkeit“: Ein Drittel aller Mittelständler lässt noch nicht einmal eine Person sich ausschließlich mit Kommunikationsaufgaben beschäftigen, über 40 Prozent hat kein festes Budget für Kommunikationsaufgaben. Angesichts dieser Zahlen ist eine verschriftlichte Kommunikationsstrategie bei einem Drittel der Befragten schon fast wieder bemerkenswert – wer erstellt diese Strategien, und wer arbeitet sie ab?
  • Dabei lässt sich recht schnell eine positive Dynamik erkennen: Mit festen Verantwortlichkeiten steigt die interne Akzeptanz für Kommunikationsarbeit; sobald Kommunikationsstrategien etabliert sind, auch die Zufriedenheit mit den Ergebnissen – Kommunikation wird als Werttreiber akzeptiert. Das deckt sich mit den Ergebnissen früherer Studien, beispielsweise der internationalen Längsschnittstudie von Towers Watson, die ich hier vor einigen Monaten besprochen habe.
  • Als wichtigstes Ziel der Kommunikation wird erwartbar Vertriebsunterstützung (90 Prozent) angesehen. Für mich positiv erstaunlich: PR-Ziele („Reputation, Image und Vertrauen untersützen“, „Langfristige Beziehungen aufbauen“) schrappen daran nur knapp vorbei. Gleichzeitig werden „Kritik vorbeugen und Krisen bewältigen“ nur von weniger als 40 Prozent als Ziel angesehen. Woran liegt’s? Werden hier die Handlungsspielräume, die Kommunikation eröffnet, massiv unterschätzt?
  • Zweimal hingucken musste ich bei den beschriebenen Herausforderungen für die Zukunft: Nur etwa 30 Prozent sehen die Digitalisierung von Gesellschaft und Unternehmen als bedeutend an. Dies deckt sich leider mit den beunruhigenden Ergebnissen z.B. des Digital Readiness Index, der deutsche Unternehmen im weltweiten Vergleich unterdurchschnittlich gut aufgestellt sieht. Den Umgang mit Veränderungen im Unternehmen sehen nur gut 40 Prozent der Mittelständler als Herausforderung. Interessant: Großunternehmen schätzen diesen Punkt deutlich höher ein, machen sich gleichzeitig aber weniger Sorgen um die Akzeptanz ihres unternehmerischen Handelns als der Mittelstand.

Warum also glaubt der Mittelstand eher als die „Großen“, dass dieses Verständnis wichtig ist? Ich führe das auf die kürzeren Wege und geringere Distanz imMittelstand zurück: Kommunikation wird als sehr dialogorientiert verstanden, die Geschäftsführung als zentraler Wert-Vermittler gesehen und daraus ein direkter Zusammenhang zur Führungsfähigkeit der Führungskräfte abgeleitet. Der Mittelstand mag weniger (und angesichts der Ressourcen mutmaßlich qualitativ seltener angemessene) Mitarbeitermagazine, Intranets etc. haben. Dafür lebt der „Flurfunk“ nicht nur im Untergrund. Hier liegt meiner Meinung nach eine fette Chance für alle, die ihre Kommunikation jetzt ausbauen und professionalisieren wollen: Sie vermeiden den Umweg über hochglänzende Verlautbarungskommunikation, den viele Großunternehmen lange gingen und sich dabei immer mehr von „ihren Leuten“ entfremdet haben. Statt dessen können sie ihre Strukturen direkt auf kurze Wege, Austausch und Flexibilität anlegen und ihre Führungskräftekommunikation stärken.

Entscheidend wird sein, dass sie dies strategisch statt aktionistisch angehen. Es ist ok, dass die Kommunikation sich ihren Platz vielerorts noch erkämpfen muss – aber gebt ihr dafür Raum und Ressourcen, damit die Voraussetzungen ebenso professionell sind wie für Produktentwickler, Vertriebler, Personaler… und eben alle, die  Verantwortung für den Unternehmenserfolg tragen!

 

 

 

 

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05/02/15 Linktipps , Studie , Veränderungskommunikation/Change Communications # , ,

Studie zum ROI von Change Communications

Gute Kommunikation in Veränderungsprozessen zahlt sich in barer Münze aus. Allen Kommunikationsverantwortlichen in Unternehmen, die mit dieser Binse üblicherweise schwer Gehör finden, liefert der aktuelle Report von Towers Watson „Change and Communication ROI – The 10th Anniversary Report“ ordentliche argumentative Schützenhilfe.
Meine persönlichen Highlights aus der Längsschnittstudie, die in den vergangenen zehn Jahren sechsmal durchgeführt wurde:

  • Die Schere zwischen „schlechten Kommunikatoren“ und „guten Kommunikatoren“ geht immer weiter auseinander: 2011/2012 war die Wahrscheinlichkeit, dass ein effizient kommunizierendes Unternehmen wirtschaftlich erfolgreich ist, etwa doppelt so hoch wie bei den schlechteren Kommunikatoren. 2013/2014 gilt hier bereits der Faktor 3,5.
  • Die „Guten“ denken weiter voraus: Während ein sehr großer Teil der Befragten aktuelle Mitarbeiter, insbesondere diejenigen in Schlüsselpositionen und die High-Achiever, gut im Blick hatte, verstehen die erfolgreichen Kommunikatoren auch die Bedürfnisse ihrer künftigen Mitarbeiter sehr gut. Gleichzeitig fahren sie erfolgreich damit, sich weniger auf ihre Preise als auf das (gewünschte) Mitarbeiterverhalten zu konzentrieren.
  • Sie widmen ihrer Unternehmenskultur viel Aufmerksamkeit: Gute Change Kommunikation zeichnet sich darin aus, dass sie sich (bereits im Vorfeld) mit den Auswirkungen des Change auf die Mitarbeiter auseinandersetzt.
  • Change Management und Change Communication gehen von Anfang an Hand in Hand: Es gibt sie immer noch, die Change Manager, die erst nach der Kommunikation rufen, wenn der Prozess stockt und Probleme auftreten. Bei den erfolgreich durch den Change navigierenden bzw. kommunizierenden Unternehmen ist die Interne Kommunikation von Anfang an im Boot – also dann, wenn sich der Grund für die Veränderung, ob Bedrohung oder Gelegenheit, ergibt.
  • Social Media sind gut, Messbarkeit ist besser: Positive Auswirkungen von Social Media Tools im Veränderungsprozess sehen erfreulich viele Unternehmen. Was die Spreu vom Weizen trennt: Die richtig guten Unternehmen messen auch, wie effektiv diese sind.
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Gelesen, erlebt, bedacht
In meinem Blog beschäftige ich mich mit Themen, die mich bewegen, Menschen, die mich beeindrucken, Orten, die mich inspirieren… Unregelmäßig, subjektiv und teils sogar persönlich. Ich freue mich auf Kommentare und Gespräche an dieser Stelle!
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