14/11/18 Coaching , Digitale Transformation , Digitalisierung , Führung , Veranstaltungen und Netzwerke

Die Zukunft des Coachings: Was stellen wir bloß an mit unserer Intelligenz?

Dieser Monat ist mein persönlicher Adventskalendar der Tagungen, Kongresse und Seminare – hinter dem 6. November steckte ein spontaner Einsatz bei den Praxistagen Online- und Social Media-Kommunikation der SCM in Köln, gefolgt von der Tagung Interne Kommunikation am 7. und 8. November in Düsseldorf. Ende dieser Woche folgt mein erstes Hamburger Barcamp, auf das ich sehr gespannt bin. Und direkt hinter den ersten Tagungstürchen des Monats verbarg sich am 2. und 3. November der Coaching-Kongress des DBVC (Deutscher Bundesverband Coaching e.V.) in Potsdam. Hier ging es im Wesentlichen um die Zukunft des Berufsbilds „Business Coaching“ – insbesondere unter den Vorzeichen einer digitalisierten Arbeitswelt und immer besseren Einsatzmöglichkeiten für künstliche Intelligenz.

Lieber miteinander als gegeneinander: menschliche und künstliche Intelligenz.

Meine persönlichen Eindrücke zum Miteinander künstlicher und menschlicher Intelligenz im Coaching,  zusammengefasst ich in fünf Thesen:

Empathie: Gern überbewertet.

Eines der Lieblingsargumente der Fans „echter“ Coaches (also denen mit Hirn, Herz und Lastern) ist ja, nur Menschen seinen empathiefähig. Continue reading

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24/10/18 Als Privatmensch # , , ,

Gammelsaft und toxischer Service: Die Superfoods von Dean and David

Ich hatte diesen Sommer das große Vergnügen, einen Kunden bei der Verbesserung seiner Kundenkommunikation unterstützen zu dürfen. Eigentlich ist diese Art der Kommunikationsberatung gar nicht mein Feld, aber ich fand es sehr spannend, praxisnah zu erleben, wie hier sowohl ein (hoher) Serviceanspruch eines Dienstleistungsunternehmens, die Anforderungen an einzelne Mitarbeiter in der schriftlichen Kommunikation, insbesondere mit unzufriedenen Kunden, und dann auch noch die Verzahnung mit komplexen internen Prozessen engagiert angegangen wurden. Guter Service, das heißt für mich: es läuft gut – und vor allem: Wenn’s mal nicht läuft, geht man professionell damit um.

Aktuell erlebe ich einen absoluten Worst Case, der mir sicher auch noch ein wenig Stoff für zukünftige Trainings liefert: Der Superfood-Lieferant Dean and David inszeniert sich perfekt durchinfluencert auf Instagram und bietet empathiebefreiten Teflonservice mit seinen Kunden. Continue reading

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22/03/18 Coaching # , ,

Coaching Online: Sorgt Distanz für Distanz? Wie die Wissenschaft den Nutzen eines Trends untermauert.

Seit zwei Jahren arbeite ich als systemischer Coach. Die Möglichkeit, sich als Coachee in einem geschützten Raum mit den eigenen Fragen und Unsicherheiten entwickeln zu dürfen, ohne belehrt, im Expertensinne beraten oder gar bewertet zu werden, empfinde ich schon lange und auch aus eigener Erfahrung als rare und wertvolle Erfahrung. Und ich habe diesen „Raum“ für mich selbst bisher nicht nur als zeitliche oder gedankliche Ressource, sondern auch als einen physischen Ort gesehen.

Mit Kaktus, Prince und Blick über Hoheluft: Hier finden momentan meine Coachings statt.

So nachvollziehbar und folgerichtig ich den Trend zu Online-Beratung in unserer schnellen, Flexibilität fordernden und ermöglichenden (Arbeits-)Welt finde: Ist unser Alltag nicht digitalisiert-effizient genug durchorganisiert; spielen non-verbale Kommunikationselemente und die persönliche Beziehungsebene im Coaching nicht eine zu wichtige Rolle, als dass man darauf auch hier noch verzichten könnte und wollte?

Es spricht (schreibt) also offensichtlich eine Skeptikerin, was Coaching auf Distanz angeht. Continue reading

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24/03/17 Coaching , Führung , Training # , ,

Was’n das? Persönlichkeits- und Teamentwicklung mit Lumina Spark

Macht Laune: Das offizielle „Go!“ für meine Arbeit mit Lumina Spark.

Veränderung ist mein Kernthema. In den letzten Jahren betraf das nicht nur die Bedürfnisse meiner Kunden, sondern auch meine persönliche und berufliche Entwicklung. Als systemischer Coach bin ich mittlerweile seit über einem Jahr unterwegs und genieße die Ergänzung zur beratenden Arbeit sehr. Und seit gestern darf ich mich – Konfetti, bitte! – zertifizierte Lumina Spark Beraterin nennen.

Impulse für Persönlichkeitsentwicklung

Lumina Spark ist ein Tool aus der Lumina-Familie, einer ganzen Reihe psychometrischer Instrumente mit verschiedenen Schwerpunkten. Spark bildet dabei die Grundlage und ermöglicht mir eine Fülle sinnvoller Ansätze für Einzelcoachings und Teamentwicklung. Denn Lumina Spark misst Verhaltenspräferenzen. Wer diesen Online-Test (144 Fragen, ca. 15-20 Minuten) durchläuft, erhält also keine Auskunft über Fähigkeiten oder gar seinen „Typ“, sondern über eine persönliche Neigung, Verhalten stärker oder schwächer zu zeigen. Und Verhalten ist etwas, was wir beobachten, beschreiben und auch ändern können.

„Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit.“ (Viktor Frankl)

Zeitgemäß und angemessen komplex

Noch vor wenigen Wochen hätte ich selbst wahrscheinlich ausgeschlossen, mich jemals zum Practitioner für ein psychometrisches Intrumentarium ausbilden zu lassen – nicht nur durch meine Zeit an der psychologischen Fakultät der Ruhr-Uni Bochum, die stolz ist auf ihr Persönlichkeitsinventar und Persönlichkeitstests aller Coleur, stehe ich diesen Tests skeptisch gegenüber. Bislang störten mich sowohl die Unterkomplexität von Typologien als auch unflexible Festlegungen, die keinerlei Widerspruch duldeten. Ich war also ein roter, extravertierter Typ, und wenn ich eher introvertierte Eigenschaften an mir entdeckte, stimmte wohl etwas nicht mit mir. Erst vor kurzem habe ich einen an Gründer gerichteten Test genervt abgebrochen, als man mir sinngemäß schrieb: „Du bist ja ein ganz spannender Fall – du bist sowohl kreativ als auch auf finanzielle Sicherheit bedacht“ – naja, das eine ist Teil meines Jobs, das andere unabdingbar für jemanden, der selbstständig arbeitet. Dass soviel Differenzierung beim heutigen Forschungstand und den technischen Möglichkeiten von Big Data nicht möglich sein sollte, fand ich frustrierend.

Lumina Spark hat den meisten psychometrischen Tests zwei Dinge voraus: Zum einen kann es Verhalten auf beiden Polen einer Dimension abbilden – dass ich je nach Kontext sowohl extra- als auch introvertiert sein kann, ist also darstellbar. Zum anderen, und das finde ich im professionellen Kontext extrem spannend, kann ich sehen, ob und wie sich mein Verhalten über verschiedene Personas verändert. So kann ich beispielsweise erkennen, ob ich in meinem natürlichen Verhalten starke Präferenzen habe, die ich in meiner beruflichen Rolle zurücknehme und auf die ich in Stress-Situationen zurückgreife. Oder: Ich fühle mich ausgebrannt ohne offensichtlichen Anlass und erkenne anhand von Lumina Spark, dass ich regelmäßig Verhaltensweisen im Job aktiviere (weil ich sie dort brauche, mir angeeignet habe…), die mir weniger liegen und mich entsprechend viel Energie kosten. Oder, oder…

Wissenschaftlich basiert Spark auf den Grundlagen der Persönlichkeitspsychologie von Carl Gustav Jung und vier der „BIG 5“ (Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit); die Fragen sind auf Validität und Reliabilität getestet.

Auf geht’s! Anwendung und Procedere

Ich freue mich darauf, das Instrumentarium von Lumina Spark – je nach Zielsetzung – zu Beginn oder im Verlauf von Coachings und Teamentwicklungsprozessen einsetzen zu können. Mit klar definiertem Auftrag und Rahmen sehe ich wenige inhaltliche und noch weniger kreative Grenzen. Nur ein paar beispielhafte Fragestellungen:

  • Ich möchte mich beruflich neu orientieren – worauf sollte ich achten?
  • Wie erreiche ich ein besseres Gleichgewicht zwischen Beruf, Freizeit und Familie?
  • Wie werde ich meiner Rolle oder Aufgabe im Unternehmen besser gerecht (beispielsweise als Führungskraft)?
  • Warum erreicht unser Team seine Ziele nicht?
  • Warum treten bei uns immer wieder ähnliche Konflikte auf?

Auch zum Selbstcoaching eignet sich Lumina Spark hervorragend, das erlebe ich selbst gerade. Unter der Voraussetzung, dass ich etwas verändern möchte, kann ich einen ehrlichen Blick auf meine Verhaltenspräferenzen werfen und auch nach dem Coaching-Gespräch mit mir selbst aushandeln, wo ich mein Verhalten inwieweit anpassen kann und möchte – oder, und auch das ist eine legitime, aber dann bewusste Entscheidung, eben nicht.

Nachdem der Online-Fragebogen von Lumina Spark ausgefüllt ist, werden alle Testergebnisse sowohl visualisiert (durch plakative „Splashes“, Begriffsclouds und Diagramm) als auch in Textform dargestellt, so dass die Teilnehmer eine haptische Version ihres „Selbst“ in Portraitform erhalten. Ich spreche alle Testergebnisse persönlich mit den Teilnehmern durch und behandele selbstverständlich die Ergebnisse absolut vertraulich.

Eine Person, verschiedene Personas: Die Portraits sind eine hervorragende Basis für Einzelgespräche und Teamprozesse.

Ich bin übrigens gerade auf gelbe Weise sehr rot. Das bedeutet, dass ich mich im Alltag sehr ergebnisorientiert verhalte und dabei auf Qualitäten wie „unkonventionell“ und „ausdrucksstark“ zurückgreife. Wie sich eine solch vereinfachende, gemeinsame Sprachwelt und differenzierte Betrachtung zusammenbringen lassen, erkläre und demonstriere ich bei Interesse gern persönlich. Aber jetzt geht’s erstmal mit meiner natürlichen Wochenendpersona in die stark ausgeprägte Verhaltenspräferenz „Geselligkeit“.

 

 

 

 

 

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28/02/17 Allgemein , Als Privatmensch # , , , , , , ,

Zuhören statt zuspammen: Anmerkungen einer enttäuschten Kundin.

Zuhören statt zuspammen: Anmerkungen einer enttäuschten Kundin.

Impulskontrolle gehört nicht zu meinen Stärken. Genussfähigkeit dagegen sehr. Folgerichtig war eine meiner ersten  Aktivitäten als Neubürgerin im chicen Size Zero-geprägten Eppendorf vor gut zwei Jahren eine kleine Tour durch die lokalen Fitnessstudios, denn die  Pfunde, sie sollen zumindest straff sein und mit Stolz getragen werden. Unterschrieben habe ich damals bei Fitness First, wo ich heute wahrscheinlich zum letzten Mal hingehe – nicht, weil ich plötzlich um die Alster liefe (schön wärs’s!) oder dreifach verstoffwechselte (noch schöner wär’s!) – sondern einfach, weil der Kundenservice den Namen meiner Meinung nach nicht verdient. Und damit möchte ich gar nicht auf einem einzelnen Unternehmen herumhacken; als pars pro toto eignet es sich dieses Beispiel aber hervorragend für ein Phänomen, das mir immer wieder begegnet und das ich immer weniger verstehen möchte. Ein kurzer Einblick in eine missglückte Kundenbeziehung.

Viel Energie in die Kundengewinnung. Und dann? Macht der Hund drauf. Continue reading

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20/01/17 Allgemein , Als Privatmensch , Digitale Transformation , Unternehmenskommunikation/Corporate Communications , Veränderungskommunikation/Change Communications # , , ,

Und HEUTE: The end of the world as we know it.

Wir schreiben den 20. Januar 2017. Ein Tag, der für mich das Ende einer Epoche einleitet und gleichzeitig, folgerichtig, den Beginn einer neuen Ära kennzeichnen muss, denn die Apokalypse, sie steht nicht bevor, dafür glaube ich zu sehr an die Menschheit, was bleibt mir auch sonst übrig.

Ich bin nämlich gern ein positiver Mensch, gehe zumeist offen und angstfrei durch die Welt, versuche, mit meinen bescheidenen Mitteln beruflich und privat einen Beitrag zu leisten und die Dinge anzupacken, ein wenig leichter und besser zu gestalten. In Unternehmen, denn gute Kommunikation kann über Erfolg oder Scheitern, Freude oder Magengeschwür, Teamspirit oder Geisterbahn entscheiden. Als Coach, um Menschen ihre Ziele und ihren Weg besser finden zu lassen. Als private Person mit Hedonismus, Humor und hoffentlich Hirn und Hilfsbereitschaft.

Aber heute morgen wachte ich nicht nur mit REM im Kopf auf, sondern auch mit dem gefühlten Wissen, dass ich mit so vielen Gewissheiten in den letzten Jahren daneben lag. Continue reading

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14/12/16 Vergnügliches

Fröhöliche Weihnacht überall…

… das Jahr 2016 ist noch nicht zuende, aber ich habe vorerst fertig und gönne mir ein bisschen Wärme, Ruhe und Abenteuer. Darum ist bisher weder Weihnachtsstimmung aufgekommen noch war Zeit für das schöne Ritual des Kartenschreibens.

Ich wünsche Ihnen und euch allen ein wunderbares, friedvolles und fröhliches Fest und ein 2017, in dem wir alle uns gesund und glücklich gegen den Wahnsinn in der Welt stellen können. Mir ist in diesem Jahr so sehr wie nie zuvor aufgefallen, wie privilegiert ich hier leben darf – in einer freien und sicheren Welt, umgeben von wunderbaren, klugen und warmherzigen Menschen. Passt alle gut auf euch auf.

Bis bald – auf dass die Glöckchen und die Gläser klingen!

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14/07/16 Allgemein , Digitale Transformation , Digitalisierung , Führung , Studie , Unternehmenskommunikation/Corporate Communications , Veränderungskommunikation/Change Communications # , , ,

Transformationsbremse Führung? Was die Unternehmenskommunikation jetzt leisten muss.

Transformationsbremse Führung? Was die Unternehmenskommunikation jetzt leisten muss.

Bereits Anfang Juni erschien der Transformationswerk Report 2016, die bisher größte branchenübergreifende Studie zur digitalen Transformation in der deutschen Wirtschaft. Wer sie noch nicht bestellt hat, bitte hier entlang, lesen und wirken lassen – ich ziehe meinen Hut vor dieser Arbeit, Willms und Ingo!

Eine Kernerkenntnis, die die Autoren genau wie ich lieber nicht gehabt hätten, bestätigt sich leider immer wieder in den letzten Monaten: Die Führung überschätzt ihre Rolle und ihre Kompetenz in Sachen digitaler Transformation (warum ich diesen Begriff zu vermeiden versuche, habe ich vor einigen Monaten aufgeschrieben) massiv, ihre eigene Einschätzung und die ihrer Mitarbeiter gehen weit auseinander, im Endeffekt verschenkt die deutsche Wirtschaft Milliarden Wachstumspotential.

Nun ist die Versuchung groß, sich über diese Schere in der Einschätzung der Führungskompetenz lustig zu machen; Häme über „die Chefs“ ließ entsprechend nicht lange auf sich warten (n-tv fühlte sich direkt an Stromberg erinnert). Dabei ist dieser Witz ein trauriger Rohrkrepierer, denn wer könnte sich ernsthaft mit dem Gedanken an Führungsetagen arrangieren, die der aktuell wohl größten Herausforderung an ihr Business nicht gewachsen sind? Continue reading

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07/07/16 Allgemein , Veranstaltungen und Netzwerke , Vergnügliches

For a rainy day: Preisträger Grimme Online Award 2016 gucken!

„Better late than never“, um diesen Winzbeitrag im Denglischen zu belassen: Bereits am 24. Juni wurden die Gewinner des diesjährigen Grimme Online Awards ausgezeichnet. Mit einem wunderbaren Fest in der Kölner Flora, launigen Laudatios, schmeckenden Smoothies und appetitanregenden Ausschnitten wurden wunderbare Preisträger prächtig gewürdigt (Bauer-sucht-Frau-Alliterationsmodus: AUS).

Die wunderbare Barbara (ausgezeichnet in der Kategorie SPEZIAL) stützt mit ihrem Award fragile Pflänzchen.

Die wunderbare Barbara (ausgezeichnet in der Kategorie SPEZIAL) stützt mit ihrem Award fragile Pflänzchen. (Quelle: https://www.facebook.com/ichwillanonymbleiben/?fref=nf)

Im Ernst: Die eher miesen Sommerabende gerade eignen sich hervorragend, sich die ausgezeichneten und auch die nominierten Beiträge in Ruhe anzusehen: So unterschiedlich sie stilistisch und inhaltlich sind – ob informativ-aufklärend, Empathie- und Horizont-erweiternd, kreativ-mitreißend oder auch politisch-aktivierend – die Macher dahinter verdienen Aufmerksamkeit, Respekt und Dank.

Ich hatte in diesem Jahr das Vergnügen und die Ehre, Mitglied der Jury zu sein. Eine tolle Erfahrung in Sachen Debattenkultur: Wie wir zwei Tage diskutiert und die unterschiedlichsten Faktoren und Argumente einbezogen haben und wie jede/r von uns mal einen persönlichen Favoriten mit gutem Gefühl loslassen musste und konnte, das möchte ich gern öfter erleben, online wie offline.

Herzlichen Glückwunsch allen Gewinnern!

 

 

 

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04/05/16 Allgemein , Unternehmenskommunikation/Corporate Communications , Veranstaltungen und Netzwerke # , , , , , ,

„Hello from the other side“: So war’s auf der 17. Tagung Interne Kommunikation

"Wir haben nicht die passende Unternehmenskultur"? Dann nix wie ran!

„Wir haben nicht die passende Unternehmenskultur“? Dann nix wie ran!

Am 17. und 18. April veranstaltete die SCM bereits zum 17. Mal die Tagung Interne Kommunikation in Düsseldorf – diesmal unter dem schönen Titel „Hello from the other side“, denn die Betonung lag auf den Herausforderungen, die unsere zunehmend dezentrale, flexible und mobile Arbeitswelt an Interne Kommunikatoren stellt.

Ich konnte viel mitnehmen aus dieser Veranstaltung: spannende und ehrliche Gespräche mit Verantwortlichen, einige sehr aufschlussreiche Einsichten in Auf- und Umbauarbeiten der Kommunikationsabteilungen unter teils turbulenten Umständen und ein Gefühl für aktuelle Trends in der Internen Kommunikation. Für mich kristallisierten sich dabei ein paar Entwicklungen heraus:

Pragmatismus schlägt Idealismus. Wenn schon social, dann auf eigenen Plattformen.

Die Tagungsteilnehmer durften unterschiedliche Einführungs- und „Upgrade“-Szenarien der Internen Kommunikation aus nächster Nähe miterleben. Beeindruckend fand ich die Stringenz, mit der die Lufthansa ihre interne Kommunikationswelt „One“ aufbaut: Getrieben von der Erkenntnis, dass Lufthanseaten am ehesten mobil erreichbar sind, wird die gesamte interne Medienwelt umgebaut. Aus einem Wust an Magazinen, Newslettern etc. (120.000 Mitarbeiter, über 140 Nationalitäten – ich möchte mir das frühere babylonische Portfolio kaum vorstellen) entsteht ein crossmedialer Mix, bei dem „Mobile first“ den Weg vorgibt: Innerhalb weniger Monate konnte die Gesellschaft bereits 15 Prozent der Mitarbeiter überzeugen, sich die Lufthansa-App herunterzuladen, Tendenz flott steigend. Vermeintliche „Spielereien“ wie eine Selfie-App, mit der man sich in Magazin-Titel etc. einbauen konnte, wurden dabei klug als Trigger eingesetzt. Überhaupt, das Papier-Magazin: Noch bleibt es bestehen und dient auch als Themenlieferant für Diskussionen im Social Intranet. Dadurch, dass alle Medien mittlerweile zentral koordiniert werden (Content Marketing und Curation at its best auf den ersten Blick), ist das Magazin erkennbar der teuerste Posten im Medienmix. Das Social Intranet muss für die Lufthansa, und dies war eine branchenübergreifende, wiederkehrende Erkenntnis, noch aus einem anderen Grund unbedingt attraktiv sein: zu groß und aktiv wurden die selbstinitiierten Facebook-Gruppen der Lufthanseaten auf Facebook – außerhalb des Einflusses des Unternehmens. Matthias Eberle (Head of Communications der Eurowings Group) ging angenehm offen mit den Versäumnissen der Vergangenheit um („die Piloten als Zielgruppe waren lange Zeit für die offizielle Unternehmenskommunikation nicht mehr ansprechbar“) und zeigte einen (mich) überzeugenden Weg auf, wie Inhalte so nah an den Mitarbeitern gestaltet werden können, dass die Unternehmensapp auf dem eigenen Smartphone als Service, nicht als Grenzüberschreitung erlebt wird.

Dynamik schlägt Größe. Wer kommuniziert, führt.

Im Studium lernte und belächelte ich die Phrase „Power of the pen“ (hieß in dem Zusammenhang: Wer sich mit dem Edding ans Flipchart stellt, kann die Diskussion modetrieren oder leiten,je nach Intention). Aber, und da verbinden sich Pragmatismus und Strategie: Geschwindigkeit und Handlungsfähigkeit setzen die Unternehmens-„Etikette“ häufig außer Kraft. So berichtete Olivia Patzelt vom Getriebehersteller Getrag, wie der Impuls zur Professionalisierug der Unternehmenskommunikation von einer „kommunikativen Notlage“ (Gerüchte mit wirtschaftlicher Sprengkraft, zu deren Entkräftung keine Ansprechpartner im Haus waren) ausging, eben diese junge Unternehmenskommunikation aber intern den kommunikatiiven Lead nach der Übernahme durch die weitaus größere Magna-Gruppe übernehmen konnte. Ähnlich interessant  der Fall von Flixbus-Mein Fernbus: Bei den beiden ehemaligen Konkurrenzunternehmen, deren früherer Start-Up-Spirit sich scheinbar über den spannenden Wettbewerb in einem neu entstehenden Markt lange hielt, scheint mit der Fusion erstmal „die Luft raus“ zu sein – worüber definiert sich die eigene Identität, wenn man plötzlich mit dem früheren Feind im Bett liegt? Nach der sehr findigen Internen Kommunikation der ersten Jahre, die mit geringen Ressourcen und guten Ideen mitwuchs, ergibt sich hier plötzlich eine deutlich größere Baustelle: in einem überregionalen, dezentralen Unternehmen mit vielen externen Partnern (Busfahrer) einen gemeinsamen Spirit schaffen. Ein sehr gelungenes Beispiel dafür zeigte der Immobilienkonzern Vivawest, der mit dem Tagungspartner Deekeling Arndt Advisors Mitarbeiter die Identität (den aus Wohnmaterialien gestalteten Schriftzug) ganz wörtlich bilden ließen – eine scheinbar banale Idee, genial ausgeführt.

Kultur isst Strategie zum Frühstück. Weil man sie lässt.

„Wir haben nicht die passende Kultur dafür“. Ein Satz, den ich gewohnt bin zu hören und zu begegnen, allerdings von Geschäftsführern, Führungsfräften, Mitarbeitern jenseits der Kommunikation, wenn es beispielsweise darum geht, das Intranet „sozialer“ zu gestalten. Ein wenig erschreckt hat mich (und dem einen oder anderen Gespräch nach auch andere Teilnehmer), wie weit diese Einstellung auch unter IK-Verantwortlichen immer noch verbreitet ist. Denn das mag ja absolut so sein – aber wer, wenn nicht wir, sollte sich auf die Fahnen schreiben, die Unternehmenskultur zu ändern?

Ich habe zwei Lieblingsdefinitionen von Unternehmenskultur, die es wohl beide so nicht in die Fachliteratur schafften: „Kultur ist, was passiert, wenn der Chef den Raum verlässt“, und, noch praxistauglicher: „Kultur ist, wie man Dinge regelt.“ Unternehmenskultur manifestiert sich ganz überwiegend im Verhalten (und den zugrunde liegenden Werten und Überzeugungen) der Mannschaft. Und Kommunikation, nach innen und außen, ist eine sehr wahrnehm- und änderbare Komponente dieses Verhaltens: Wie gehen wir mit Wissen, Ideen, Kritik um? Welches Verhalten wird gefördert, welches eher sanktioniert? Wie werden wir zu dem Unternehmen, das wir sein möchten oder sein müssen? Das alles können Interne Kommunikatoren maßgeblich beeinflussen – wenn sie Gestaltungswillen, Weitblick und gern auch ein bisschen frustrationstoleranten Idealismus mitbringen. Passende Einstiegsszenarien gab es sowohl aus Unternehmenssicht (Schäffler) als auch durch die Beratungsbrille von Hirschtec. Hier wurde viel „Soft Launch“ gezeigt (also eine schrittweise Zuschaltung von Social Features in ein bestehendes 1.0-iges Intranet), was meiner Erfahrung nach wunderbar funktionieren kann in Unternehmenskulturen, in denen Vertrauen in die Sozialkompetenz und Loyalität (nicht nur top-down!) erst aufgebaut und demonstriert werden muss. Was auf der Tagung eher hintergründig, aber wahrnehmbar, mitlief: Ohne eine überzeugte Führungsmannschaft, die auch den unternehmerischen Sinn dieses „Social-Gedöns“ vermitteln kann, geht nichts. Wohlgemerkt: „Strategisch führend“ muss nicht „Führend in der Feldkompetenz Social Media“ heißen. Ein schönes Beispiel dafür, dass Führungskräfte sich keinen Zacken oder der Krone brechen, wenn sie sich von Digital Natives auf dem Weg ins digitale „Neuland“ unterstützen lassen, ist das Reverse Mentoring-Programm von Bosch.

In a nutshell: Ich verließ die Tagung Interne Kommunikation mit zwei klingenden Fragen im Kopf – der Schneewittchenfrage „dürfen sich meine Inhalte auf dein privates Smartphone laden?“ und der Gretchenfrage „wie hast du’s mit dem Gestaltungswillen?“. Anhand dieser Fragen beiden wird sich in Zukunft gut über Erfolg oder Misserfolg der Internen Kommunikation diskutieren lassen.

 

 

 

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23/03/16 Coaching , Digitalisierung , Führung , Studie , Unternehmenskommunikation/Corporate Communications , Veränderungskommunikation/Change Communications , Workshops

Von Führung, Fröschen und Vogel-Strauß-Effekten: Warum ich den Begriff „Digitale Transformation“ meide

Was hat die deutsche Wirtschaft mit kochenden Fröschen gemein? Ich fürchte, eine ganze Menge. Auf der einen Seite stehen wir nach wie vor hervorragend da (Exportweltmeister etc.), auf der anderen Seite scheinen Unternehmen hierzulande einen riesigen Entwicklungssprung zu verpassen – eine Studie nach der anderen belegt, wie innovationsfeindlich, risikoscheu und führungsschwach das Land der Dichter, Denker und Ingenieure geworden ist. Manche mögen das als Panikmache oder ABM für Berater abtun. Aber kommen wir so billig aus der Nummer raus?

Phasen großer Veränderungen – echte gesellschaftliche, politische, wirtschaftliche Umwälzungen, keine Projektchen – brauchen Leit- und Identifikationsfiguren. In Unternehmen erlebe ich aber in den letzten Jahren verstärkt Führungskräfte, die sich eher nach einem Sandhaufen für ihren Kopf zu sehnen scheinen. Wenn ich lese, dass Mitarbeiter ihren Firmen digital überlegen sind, frage ich mich weniger, ob Führungskräfte plötzlich alle inkompetent sind (auch, wenn sich Gunter Duecks Rant zu „Mehr vom Gleichen“ herrlich pointiert liest), sondern eher: Was genau hemmt sie?

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07/03/16 Allgemein , Veranstaltungen und Netzwerke , Vergnügliches # ,

TEDx St. Georg: Innovation aus der Klinik

Leicht soll sie sein. Nicht die Yoghurette, sondern der Kuss der Muse, die Inspiration, die Innovation, die gute Tat – das war für mich die Quintessenz meines ersten TEDx-Events, das am 27. Februar unter dem Titel „Transplant Inspiration“ bezeichnenderweise auf dem Gelände der Asklepios-Klinik in St. Georg stattfand. In meinem alten Kiez (jaja, einst wohnte ich über ‚1000 Töpfe‘ in einer WG mit einem Schill-Wähler, aber lassen wir die grässlichen Geschichten aus der Vergangenheit) traf sich ein freundliches Völkchen, das positiv gestimmt antrat und strahlend vor Inspiration ging – so mein Eindruck. In der konferenzgespickten Endfebruarwoche (hallo, es war ein Tag mehr als sonst, kein Extra-Monat? Social Media Week, Online Marketing Rockstars…) war diese meine liebste. Es scheint, ich bin die Frau der überschaubaren Eventgröße. Aber ein paar Worte zu meinen Highlights dieses TED-Ablegers: Continue reading

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Gelesen, erlebt, bedacht
In meinem Blog beschäftige ich mich mit Themen, die mich bewegen, Menschen, die mich beeindrucken, Orten, die mich inspirieren… Unregelmäßig, subjektiv und teils sogar persönlich. Ich freue mich auf Kommentare und Gespräche an dieser Stelle!
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